SPD POTSDAM
In Potsdam zu Hause.

POSITION: Die Determinante

Die Kunsthalle am Lustgarten - ein Blick in die Zukunft Von Mike Schubert.

Bei der Diskussion um die Kunsthalle geht es derzeit scheinbar weniger um sie selbst, als um die Frage "Mercure: Steht es oder fällt es?". Dieser Riesenstengel gehört da nicht hin, sagen diejenigen, die in der Kunsthalle an diesem einzigartigen Ort eine kulturelle und touristische Ergänzung sehen und sich für die Wiederannäherung an den historischen Stadtgrundriss einsetzen.

Das Ex-Interhotel gehört mittlerweile zur Stadt; es soll bleiben sagen andere.

Beide haben dabei scheinbar ein Postkartenmotiv im Kopf. Die eine stammt aus den zwanziger Jahren und ziert den freien Blick vom Lustgarten über das Neptunbassin zum Stadtschloss und die andere aus den 70ger Jahren den Blick von der Langen Brücke zum ehemaligen Interhotel. Beide Karten stammen aus dem vorherigen Jahrhundert.

Und tatsächlich: Die Stadt würde mit dem Abriss des Mercure ein Gebäude verlieren, das seit 40 Jahren eine städtebauliche "Determinante" ist und mit der viele Potsdamerinnen und Potsdamer gute Erinnerungen an Feste und Feiern verbinden. Daran, an das gelebte Leben, muss man sich erinnern können. Aber das reicht nicht, um am Bau festzuhalten.

Aber die andere Seite muss auch so ehrlich sein und sagen: Die Stadt würde nicht den Lustgarten zurückerhalten, der einen freien Blick vom Stadtschlossneubau in den Lustgarten ermöglicht, wie es die Wiederannäherung an den historischen Stadtgrundriss einmal vorsah und an den sich viele Alt-Potsdamer wehmütig erinnern. Aber beides sind Blicke zurück, die vor allem die Chancen ausblenden, die eine Kunsthalle am Standort Mercure für die Stadt haben könnte. Die Postkartenmotive müssen in der Sammlung bleiben.

Deshalb will ich einen Blick in die Zukunft wagen: Auf dem Areal des heutigen Mercure ist ein attraktiver und moderner Kunsthallenbau entstanden, der den Blick von der Langen Brücke in Richtung Lustgarten nicht mehr vollständig verstellt und Einblicke bis in die Brandenburger Vorstadt ermöglicht. Gemeinsam mit dem neuen Empfangsgebäude der Weissen Flotte setzt die Kunsthalle einen modernen Kontrapunkt zur barocken Architektur des Landtagsschlosses und der Leitbauten ohne aber den Blick in die Stadt zu verstellen. Die Kombination von Anlegestelle und Kunsthalle hat sich innerhalb kurzer Zeit zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Tagestouristen kommen mit dem Wassertaxi am Hafen oder mit der S-Bahn am Hauptbahnhof an und sind direkt an der Ausstellungshalle.

In der von Hasso Plattner zur Verfügung gestellten Ausstellung, die eine Retrospektive auch auf die Kunst und Malerei der DDR wird, begegnen sich Liebhaber zeitgenössischer Kunst und Schulklassen, die mehr über das Leben in der Mitte des letzten Jahrhunderts in diesem Teil Deutschlands erfahren wollen und Potsdamer und Gäste, die einen Blick zurück auf einen Teil ihres Lebens werfen wollen.

Wie kann man sich besser mit einer Zeit beschäftigen, als anhand ihrer Kunst? Eine solche Ausstellung wäre zweifellos eine Ergänzung für Potsdam, würde das manchmal etwas einseitig geprägte Bild der Kunst in Potsdam positiv verändern.

Mit dem Museum für brandenburgisch-preußische Geschichte auf dem Neuen Markt, dem neuen Potsdam Museum im Alten Rathaus, dem Filmmuseum und der Kunsthalle am Lustgarten bietet sich Potsdamern und Gästen auf engstem Raum eine Vielzahl von kulturellen Möglichkeiten - fast wie eine kleine Museumsinsel.

In Verbindung mit den neuen Hotels und Restaurants in der Speicherstadt und am Alten Markt entsteht eine Situation in der Mitte, die zum Verweilen einlädt und natürlich auch Arbeitsplätze in Hotels, Restaurants und nicht zuletzt auch in der Kunsthalle selbst schafft.

Und eines ist sicher: Die Bettenkapazität des "Mercure" wird an anderer Stelle ersetzt, vielleicht sogar in der Speicherstadt, gegenüber dem heutigen Mercure. Von dort hätte man dann einen wunderschönen Blick über das Hafenbecken hinweg, auf die neue Kunsthalle, das Stadtschloss und den Lustgarten mit dem neuen Hafengebäude. Die wieder gewonnene Altstadt würde als Panorama vor einem liegen. Ich finde der Blick nach vorn verspricht mehr, als wir verlieren.

Eine solche Kunsthalle, als architektonischer Kompromiss zwischen bedingungsloser Wiederannäherung an den Alten Stadtgrundriss und kategorischem Festhalten am heutigen Mercure steht Potsdam gut zu Gesicht. Ich freue mich darauf.

Der Autor Mike Schubert ist SPD-Partei- und Fraktionschef in Potsdam.

Position: Die Determinante in den PNN am 21.06.2012.