SPD POTSDAM
In Potsdam zu Hause.

Der Ton macht die Musik - Matrosenstation könnte schon fertig sein

Der Investor Linckersdorff, der nach der Erteilung der Baugenehmigung nun mit der Wiedererrichtung der Ventehalle der norwegischen Matrosenstation Kongsnaes am neuen Garten begonnen hat, lässt Passanten derzeit deutlich Wissen, was er von der Forderung nach mehr Transparenz bei Bau und Betrieb des historischen Ensembles hält.  Auf einer Tafel die er an der Baustelle angebracht hat, bezeichnet er Nachbarn und eine Bürgerinitiative die den Umfang seines Projektes kritisiert hatten, als "Wutbürger" und überschreitet damit eine Grenze des fairen Umgangs.

Potsdam ist zu Recht stolz auf seine lebendige Beteiligungskultur. Hier wird gerade in Fragen der Stadtgestaltung häufig und viel diskutiert. Dabei sind gerade Anwohner und Bürgerinitiativen ein wichtiger Teil dieser Beteiligungskultur. Das ein Investor, der unbenommen ein kulturhistorisch wichtiges Zeugnis Potsdamer Baugeschichte wieder errichten will, dessen Ergänzungsbauten und Nutzung jedoch hoch umstritten sind, kritische Nachbarn als Wutbürger diffamiert, widerspricht unserer Beteiligungskultur.

Die Regeln des Anstands gebieten einen andern Umgang. Mag sein, dass am Ende das Projekt Kongsnaes ein Erfolg wird. Zu wünschen wäre es der Stadt. Nur wer mit solch schrillen Tönen die künftigen Nachbarn attackiert, muss sich wohl nicht wundern, wenn er in ihnen keine Freunde fürs Leben, sondern eher Gegner für das eigene Projekt gewinnt.

Das Minimum wäre, dass die Tafel am Bauzaun entfernt wird und sich der Investor öffentlich für seinen verbalen Ausfall entschuldigt.

Statt sich in Scharmützel mit seinen Nachbarn zu begeben, sollte der Investor lieber die Auflagen aus der seit zwei Jahren vorliegenden Baugenehmigung für die Matrosenstation umsetzen. Hier wird ohne Grund das noch bestehende Ensemble der Matrosenstation dem Verfall preisgeben. Der Investor kommt seiner  Investitionsverpflichtung aus dem Baubescheid  nicht nach und fordert jetzt auch noch nach Medienberichten Aufschub. Aber anders als bei der Ventehalle, wo es Verzögerungen durch den Rechtsstreit gab, hätte er bei der Matrosenstation längst mit den Bauarbeiten beginnen können. Gemäß des Gleichbehandlungsgrundsatzes muss die Verwaltung diesen Verstoß gegen die Bauauflagen bei der Matrosenstation zwingend ahnden, genauso wie sie aufgrund der Verzögerung bei der Ventehalle eine neue Frist zur Realisierung der Baumaßnahmen prüfen sollte.

Das Ziel der Wiedergewinnung des historischen Ensembles bestehend aus der norwegischen Matrosenstation mit der Ventehalle bleibt bestehen, auch wenn noch Fragen offen sind. Wichtig ist, dass die Ventehalle am Ende für die Vielzahl von maritimen Vereinen der Stadt als Anlaufpunkt dienen kann und Besucherinnen und Besucher unserer Stadt ein weiteres Beispiel internationaler Baustile in Potsdam bestaunen können.