SPD POTSDAM
In Potsdam zu Hause.

Werkstattgespräch in der AWO-Frühförder- und Beratungsstelle für sprach- und hörgeschädigte Kinder: Förderung mit Wärme, Herz und Verstand

Fortschreibung Gesundheitsatlas nötig

Die SPD Stadtfraktion hat in dieser Woche ihre Werkstattgespräche gestartet. Zukünftig will die Fraktion sich regelmäßig zu Schwerpunktthemen bei Organisationen und Vereinen vor Ort informieren. "Es gibt viele Menschen in Potsdam, die still, engagiert, kreativ und mit Herzblut ihrer Arbeit nachgehen oder sich ehrenamtlich engagieren. Sie kennenlernen, zuhören, was sie bewegt oder wo es Probleme gibt, haben wir uns vorgenommen", sagt Stadtverordneter Marcel Piest, Initiator der Werkstattgespräche.

Auch vor dem Hintergrund des Antrages zur Fortschreibung des Gesundheitsatlas in Potsdam fand der Auftakt in der AWO-Frühförder- und Beratungsstelle für sprach- und hörgeschädigte Kinder in der Neuendorfer Straße statt. "Unsere Forderung, den Gesundheitsatlas fortzuschreiben und auch die Ergebnisse der Kitareihenuntersuchungen zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr einzubeziehen, hat hier klare Unterstützung bekommen", freut sich SPD-Fraktionsvorsitzender Mike Schubert. Denn diese Reihenuntersuchungen sind hilfreich, Frühförderbedarf zu erkennen und zu vermitteln. "Und wir haben mitgenommen, dass sich das Land Brandenburg gemeinsam mit Krankenkassen, Kommunen und Trägern weiter mit Druck um eine Umsetzung der Frühförderverordnung kümmern muss im Sinn des Paragraphen 30 SGB IX; im Interesse der Kinder und der Familien! Seit 2003 gibt es die Regelung, und seit 2007 dauert der Streit um die Finanzierung an", so Schubert. "Dieser Knoten muss doch durchschlagen werden können! Hilfreich können dabei auch die "Netzwerke Gesunde Kinder" sein."

14 Therapeutinnen unter der Leitung von Kerstin Dressler betreuen 124 Kinder in Potsdam und im nördlichen Brandenburg; vorrangig sprach- und oder hörgeschädigt oder mit autistischen Störungen. Als weitere Anbieter gibt es in Potsdam das Oberlinhaus und das EJF. Alle suchen sie nach erfolgter Diagnostik auf Wunsch die Familien auf, arbeiten in der KITA oder in eigenen Räumen. Sie arbeiten im familiären Kontext des Kindes und unter ständigem interdisziplinären Austausch der Kolleginnen. Das macht Frühförderung aus, erklärt Kerstin Dressler, und macht sie erfolgreich: Das Kind da abholen, wo es steht.

Doch das ist zugleich auch das Problem, wurde an dem Abend deutlich: Die Frühförderung ist eine "Komplexleistung", ein niederschwelliges Angebot aus Beratung, interdisziplinärer Diagnostik und Förderung/Behandlung - die so nicht bezahlt wird. Zwar gibt es eine Frühförderungsverordnung in Brandenburg und eine Rahmenvereinbarung dazu seit 2007 - umgesetzt wird sie jedoch nicht. Als Ziel gilt, dass Krankenversicherungen und Sozialhilfe -/ Jugendhilfeträger gemeinsam ein Bündel von Leistungen für die Betroffenen bezahlen. Geeinigt über die Bedingungen hat man sich jedoch nie. Die Krankenkassen wollen die Komplexleistung nicht bezahlen, und damit ist es keine Rezeptleistung, die der Kinderarzt verschreiben könnte - bislang.