SPD POTSDAM
In Potsdam zu Hause.

"Wir sind alle unterschiedlich und doch alle gleich wert"

Rede zur Jugendweihefeier in Potsdam am 2. Juni 2018

Liebe Jugendliche, liebe Eltern und Großeltern, liebe Gäste,

ich bin ein bisschen aufgeregt, so wie ihr.

Ich darf heute diese Festrede halten und euch im Kreis der Erwachsenen willkommen heißen.

Das ist eine große Ehre, denn ich darf ein paar kluge Worte sagen.

Es war gar nicht so einfach,  kluge Worte für euch zu finden, denn Worte und Sätze sind in letzter Zeit ein bisschen aus den Fugen geraten.

Ich war vor kurzem in den USA und hörte eine bemerkenswerte Rede über Thomas Jefferson, den dritten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Jefferson war nicht nur Präsident des Landes, er hat auch die Unabhängigkeitserklärung entworfen und – was mir völlig neu war – er hatte dafür gesorgt, dass sich in Nordamerika pflanzliche Einwanderer und Siedler vermehrten.

Die ureigenen, von Menschen essbaren Pflanzen in Nordamerika konnte man im 18. Jahrhundert an fünf Fingern abzählen.

Es gab ein paar Beeren, unter Anderem Cranberrys, Sonnenblumen, Artischocken und Hopfen.

Das wars.

Nicht so die besonders leckeren Sachen.

Jefferson legte einen Pflanzgarten an und experimentierte mit dem Samen von Getreide, Obst und Gemüse aus der ganzen Welt.

Welche Frucht wuchs wo? und brauchte welche Bedingungen?

das wollte Jefferson herausfinden und es gelang ihm.

Jedes Jahr – auch nach seinem Tod - wurden Boxen mit verschiedenen Fruchtsamen an die amerikanischen Farmen versendet, damit sie diese anbauten.

Die heutige Vielfalt der amerikanischen Pflanzen ist also Menschengemacht. Es sind Einwanderer, so wie die Bewohner der USA selbst. Sie kommen aus der ganzen Welt, sowohl die Pflanzen, wie auch die Menschen, die in den USA nun leben.

Warum erzähle ich das euch heute?

Es ist das beeindruckende Projekt eines Präsidenten - eines Politikers.

Er bevorzugte Lösungen und keine Siege. Er spielte nicht Krieg im amerikanischen Land, sondern suchte nach Lösungen, um das Land fruchtbar zu machen und seine Bewohner zu ernähren.

Und heute? Sehen wir manchmal Politiker, denen es um den Kampf geht, die aber nicht nach Lösungen suchen, sondern es geht ihnen um den Sieg über den anderen, darum, den anderen zu schlagen oder zu jagen.

Das ist keine respektvolle Art politischer Kultur, es ist keine respektvolle Art miteinander umzugehen. 

Das ist keine Basis der Demokratie.

Politiker sind die Repräsentanten einer Gesellschaft und sie sollten auch repräsentieren, wie wir alle miteinander umgehen. Wir sollten nicht mit Beleidigungen um uns werfen und die Grenzen von anderen wahren. Wenn Donald Trump auf Twitter Schimpfwörter benutzt und seine Mitarbeiter rauswirft, wieso sollte ich nicht bei Facebook sagen, dass der Lehrer doof ist und von der Schule fliegen sollte?

Ist doch lustig.

Nein, ist es nicht.

Ihr lernt in der Schule, was Fakten sind und was Wissen ist. Der Klimawandel wurde von Wissenschaftlern auf der ganzen Welt untersucht und er ist leider Realität.

Wenn dann jemand kommt und sagt: „Das stimmt alles nicht, mein Bauchgefühl sagt, das ist nicht richtig. Heute Morgen war es doch ganz kalt, von wegen die Erde erhitzt sich.“

Glaubt ihr ihm dann?

Ist doch lustig.

Nein, ist es nicht.

Ihr solltet es nicht tun. Diese Art, miteinander umzugehen und miteinander zu sprechen, nimmt kein gutes Ende, das dürfen wir nicht zulassen.

Ja genau wir. Wir alle.

Liebe Jungen und Mädchen,

Martin Luther King – ebenfalls ein sehr bekannter Amerikanischer Politiker - hat einmal gesagt:

Die Zeit ist immer reif, um das Richtige zu tun.

Heute werdet ihr feiern, denn heute ist Eure Jugendweihe. In den nächsten Jahren werdet ihr in die Schule gehen, dann einen Beruf ergreifen. Vielleicht seid ihr in einem Verein und arbeitet da freiwillig mit – im Sportverein, bei der Feuerwehr, in der Bibliothek?

Ihr müsst natürlich nicht. Wir leben in einer Demokratie. Da ist ganz viel freiwillig. Da geht es darum, sich einen Ruck zu geben, in sich zu horchen, sich für die Gemeinschaft verantwortlich zu fühlen.

Wenn überhaupt, sich selbst zu besiegen, den inneren Schweinehund gewissermaßen und Lösungen zu finden.

Ihr werdet immer wieder Menschen begegnen, die es schwer haben im Leben, die eine Behinderung haben, keine Arbeit haben, anders sind als die Mehrheit der Gesellschaft. Sie sind nicht geringer als ihr, nur anders.

Warum?

Weil wir alle eine Würde haben.

Ein Mensch hat ein Recht auf ein Leben in Würde, ganz egal, ob er groß oder klein ist, ob stark oder schwach ist, ob intelligent oder schlau.

Ganz egal auch, ob er alt, krank oder hilfsbedürftig ist, ob er Deutscher ist oder Ausländer. Deswegen lautet der erste Satz unseres Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“.

Das bedeutet übrigens auch, dass ein Mensch seinen Wert nicht verliert, weil er etwas nicht geschafft hat oder etwas falsch gemacht hat.

Es gibt Starke und Schwache, Schlaue und Dumme, aber niemals, niemals  gibt es einige, die mehr wert sind als andere.

Hört nicht auf die, die Menschen sortieren und auf Kosten der Schwachen einfache Lösungen präsentieren. Sie schüren nur mit menschenverachtenden Parolen Hass und Gewalt.

Schaut also hin, denn unsere Gesellschaft lebt davon, dass wir nicht wegschauen, sondern helfen.

Dazu gehört natürlich Mut, denn es ist immer einfacher still zu sein und wegzusehen. Eine Gesellschaft, in der jeder nur an sich denkt, in der die Ellenbogen regieren und die Stärkeren den Schwächeren nicht helfen, wird sich selbst zerstören.

Genug der klugen Worte!

Die Zeit ist reif, um die Rede zu beenden.

Jeder von Euch wird seinen Lebensweg gehen und seine oder ihre eigenen Spuren hinterlassen.

Das wird spannend und darauf dürft ihr euch freuen.

 

Liebe Eltern, liebe Großeltern,

sie dürfen sich auch freuen, sie haben ganz viel geschafft.

Diese Jugendlichen stehen nun hier und sind (fast) erwachsen. Herzlichen Glückwünsch für diese wundervollen Kinder.

Liebe Mädchen und Jungen, liebe Eltern, liebe Großeltern,

ich wünsche Euch von ganzen Herzen einen wunderbaren Tag miteinander, mit lustigen Erlebnissen und Erinnerungen.

Feiert schön und habt Spaß!